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Himmelfahrt

 

Ich werde immer einmal wieder angefragt, was ich in unserer Zeit, da die Menschen mit Raketen in den Orbit und in das Weltall fliegen können, von der "Himmelfahrt Jesu" halte. Hinter diesen Fragen stecken viele Unsicherheiten, die auch mit unserem Verständnis des modernen Weltbildes zusammenhängen.

 

Das mythische Weltbild

Die Menschen damals kannten natürlich noch keine Raketen, die in den Weltraum gelangen konnten. In ihrem Weltbild war der sichtbare Himmel mit seinen Gestirnen, Sonne, Mond, den Planeten und den Sternen mit ihren Sternbildern noch mit vielen mythischen Bildern verbunden. Der sichtbare Himmel war durch die Gestirne mit ihren Sternbildern bevölkert mit Göttern und Engelgestalten, die das alltägliche Leben auf dieser Erde beeinflussten. Auf diese mythischen Gestalten musste man alle achten, um nicht einen von ihnen zu erzürnen. Ihnen musste man Opfer bringen, um sie für das menschliche Leben auf dieser Erde gnädig zu stimmen.

 

Man stellte sich den Himmel in mehreren Stockwerken vor, die alle unterschiedlich belebt waren.

 

Im Alten Testament wird diese Vielfalt der mythischen Götter und Mächte durch die Schöpfungsberichte "entmythologisiert"; der Himmel und die Erde sind nur von Gott und seinem Geschöpfen bevölkert, die Gott erschaffen hatte.

 

Der "Himmel" schloss das sichtbare Weltall mit ein, ließ sich aber nicht darauf beschränken. So kommt es, dass wir heute unter dem deutschen Begriff "Himmel" zwei verschiedene Bedeutungen haben.

 

Zwei verschiedene Begriffe von "Himmel"

Wir kennen erstens den Himmel als Weltall (engl."Sky"), dessen Gesetze wir heute sehr viel besser kennen. Kennen wir aber wirklich schon alles, was die "Welt zusammen hält"?

 

Und wir kennen auch heute noch den Himmel als Herrschaftsbereich Gottes, (eng. "Heaven") der das Weltall mit einbezieht, aber nicht auf die Weite des Weltalls mit ihren erforschbaren Naturgesetzen beschränkt ist. Diesen Himmel meint die Bibel, wenn sie von der "Himmelfahrt Jesu" spricht.

 

So stehen die Berichte über Christi Himmelfahrt in der Bibel:

 

Jesu Himmelfahrt (Apostelgeschichte des Lukas 1, 1-11) 

 

"Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde,  nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den heiligen Geist Weisung gegeben hatte. Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.


Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.


Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.


Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.


Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen."

 


Was sagt uns nun dieser Bericht der Himmelfahrt Jesu heute?

 

Wir erfahren eine "Transzendenzgeschichte"

 

... 

In der christlichen Religion gibt es ein irdisches und ein himmlisches Leben (z. B. Matthäus 22, 1. Korinther 15). Das Überschreiten dieser Grenze, Kontakte der einen Welt zu der anderen, wird als Transzendenz bezeichnet. Dazu gehören z. B. der Heilige Geist als Gottes immanente Gegenwart, das Jüngste Gericht als Ausscheidung alles Bösen (vgl. 1 Kor 3,10-15 LUT, Mt 25,31-46 LUT), die Auferstehung als innerweltlicher Akt der Transzendierung des Christlichen in der Welt (1 Kor 15,42-50 LUT)." 

 

Die Himmelfahrt Jesu ist so die Überschreitung des "menschlichen Erlebens" in das "göttliche Erleben".   Jesus hat mit diesem Schritt in die göttliche Erfahrungswelt sein nachösterliches irdisches Erscheinen eingestellt und eine neue kraftspendende transzendentale Erscheinung, den "Heiligen Geist" zugesagt.

"...ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde."                    

                                                                                                                                                                

Die Jünger bleiben nun nicht in der Transzendenssphäre des Himmlischen; sie werden durch Jesus in ihre Sphäre des irdischen Lebens zurückgeschickt und sollen ihre Transzendenzerfahrung weitergeben.   

So wie die Jünger damals können auch wir heute noch solche transzendenten Erfahrungen haben. Wir sollen uns aus solchen transzendenten spirituellen Erfahrungen Kraft holen für unseren Alltag und diese Kraft und Hoffnung an die anderen Menschen weitergeben. So können alle Menschen durch die Himmelfahrt Jesu in diese transzendente Kraft spüren und in sie mit hineingenommen werden in das Reich seiner "Himmel"!

                              

 

Ich wünsche Ihnen und mir diese Überschreitung der menschlichen Erfahrung zum Himmelfahrtstag in diesem Jahr

 

Ihr Oberpfarrer i.R.

Hans-Joachim Köhler

 

 

 

Jesu Himmelfahrt (Lukas 24, 50-53)

 

"Jesus sprach aber zu den Jüngern: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.

Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, daß Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage;

und daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem, und seid dafür Zeugen.

 

Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe.

 

Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.

Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.

Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott."

 

Lukas schließt in seinem zweiten Buch, der Apostelgeschichte, an das erste Buch, dem Evangelium, mit dem Bericht der "Himmelfahrt Jesu" an. Die ersten zwei Sätze stellen die Verbindung zwischen den beiden Büchern her:

 

2. In der Apostelgeschichte des Lukas

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com